2017 / 20. September

Partner der Supply Chain? Erst im eigenen Haus Freunde schaffen


Gastbeitrag Sabine Ursel, Kommunikation I Presse I Netzwerk, Journalistin und Kommunikationsberaterin, Wiesbaden (Fokus Einkauf/Vertrieb) ...

Was macht SCM erfolgreich? Harmonisierte Prozesse, geeignete Schnittstellen, nutzwertige Services, moderne Informationsverarbeitung, reibungsloser Informationsaustausch über Unternehmensgrenzen hinweg … sowie Integration von Partnern. Wer bei Partnern der Supply Chain vor allem Externe meint – angedockte Lieferanten und Dienstleister – greift zu kurz. „Partnerschaft“ ist zuerst einmal im eigenen Unternehmen zu definieren. Auf dem Papier sagt uns die Matrix, wie SCM im Unternehmen aufgehängt ist, wer und was sich unter dem SCM-Dach ein-   beziehungsweise unterzuordnen hat, wer an wen berichtet. Wohlgemerkt auf dem Papier.

Wenn SCM-Chefs auf Fachveranstaltungen über ihre Organisation referieren, bleibt in aller Regel das Wesen gelebter interner Partnerschaft außen vor. Das „Menschliche, allzu Menschliche“ wird ausgeblendet. Hält nur auf. Das Ergebnis zählt, nicht der Weg dorthin. Aber: Konkurrenzsituation zwischen Logistik und Einkauf, hierarchische und tradierte Berichtslinien sowie Abgrenzungsprobleme bei organisatorischen Problemfeldern erschweren nun einmal echte Partnerschaft im eigenen Unternehmen (und verlangsamen beziehungsweise verhindern Fortschritt). Wenn es hier im Gebälk kracht, dann hat das unweigerlich auch Auswirkungen auf externe Partner. Lieferanten haben sich dem Tempo und der „Kultur“ des Prozessführers anzupassen. Zudem werden sie in Abteilungsmeetings der Kundenunternehmen nicht selten als Sündenbock herangezogen, wenn man sich bei Problemen (Just-in-Time, Qualität …) zu verteidigen hat.

Bei der Digitalisierung ist der IT-Aspekt nicht der alles entscheidende. Isolierte Abteilungserfolge lassen sich prima messen, und das ist auch gut so. Aber wer misst gezielt auch den Erfolg gemeinsamen, übergreifenden Handelns und bewertet (und belohnt) entsprechend realisierte Potenziale? Die Logistik ist seit jeher Servicefunktion pur. Der Einkauf ist gerade sehr darum bemüht, sich als moderner „Business-Partner“ für interne Bedarfsträger zu definieren. Auf dem Papier. Ist das in der Realität angekommen? Haben wir die richtigen Mitarbeiter dafür? Wir können uns nicht (mehr) leisten, in Konkurrenz zu anderen Abteilungen zu treten.

Interessant: SCM und auch Einkauf bezeichnen sich unisono als Treiber der Digitalisierung. Ist das Konkurrenz? Jein! Kann das gutgehen? Ja! Wer kapiert, dass Digitalisierung den Wert traditioneller Kernkompetenzen verändert und sich deswegen nicht weg duckt, ist auf einem guten Weg … und voraus. Digitalisierung beschleunigt Vernetzung. Vernetzung fordert. „Echtzeit“ lässt sich nur durch schnelles Denken, Analysieren und adäquates Handeln in Vorteile ummünzen. Digitalisierung bedeutet die einmalige, große Chance, Partnerschaft neu zu definieren. Ohne echte gelebte Partnerschaft bleiben Abteilungschefs auf der Strecke. Mitmachen und Initiieren ist das Motto der Stunde. Zaungäste werden verlieren.

„Viele Mittelständler werden an der ersten Digitalisierungswelle scheitern, auch weil sie Digitalisierung noch als eine Intensivierung der IT-Abbildung in Prozessen verstehen“, sagt Dr. Bernd Rosenkranz. Er hat im vergangenen Jahr mit der PERI GmbH als Verantwortlicher für Global SCM den begehrten Supply Chain Management Award gewonnen. Die Schaffung von Stabsstellen schütze nicht vor dem Scheitern, meint Rosenkranz. Die erste Frage sei vielmehr: „Wie ändert sich unsere initiale Wertschöpfung, wenn sich Informationsfluss und Datenbesitz radikal verändern?“ Sein Rat: „Hängen Sie die Verantwortung für die erzwungene neue Strategie im Topmanagement auf und leiten Sie dann ab. Nehmen Sie alle Mitarbeiter auf die Reise mit. Beachten Sie, dass Change Management auch im Rahmen von Digitalisierungsprojekten erhebliche Risiken birgt, weil bis dato versäumtes Potenzial offen gelegt wird. Leben Sie eine offene Fehlerkultur, sonst werden Ihre Projekte schnell blockiert.“

Bernd Rosenkranz steht auch in diesem Jahr auf dem SCM-Gipfel EXCHAiNGE in Frankfurt Rede und Antwort. Die Veranstaltung ist eine Austauschplattform, die ihren Namen verdient. Hier reden Teilnehmer aller Disziplinen miteinander. Hier werden offen Fragen gestellt und auch beantwortet. SCM, Logistik, Einkauf … die ideale Mischung. Ich rufe vor allem zögerliche Einkäufer auf, sich hier Gehör zu verschaffen. Stärken Sie Ihre Disziplin! Sagen Sie, welche wertvollen Beiträge Sie in Zukunft erbringen können – als Partner. Ordnen Sie auch Risiken gemeinsam ein. Dem Wesen von Partnerschaften wird entscheidende Bedeutung, auch für den eigenen Arbeitsplatz, zukommen.  

Ich freue mich auf den Austausch auf der EXCHAiNGE am 26. und 27. September 2017 in Frankfurt. Die Sessions „Nachhaltiges Wirtschaften“, „Resilienz versus Effizienz: Stabilität durch flexible Supply Chains“, „Digitale Souveränität“, „Kultur zur digitalen Transformation“ und „Open Innovation“ bilden alle akuten Herausforderungen ab. Profitieren auch Sie von neuen Impulsen!

Save the Date:
Die Fachkonferenz „EXCHAiNGE – The Supply Chainers’ Conference 2017“ findet am 26. und 27. September 2017 in Frankfurt am Main statt.

www.exchainge.de 

Hier geht es zur Online-Anmeldung: www.exchainge.de / Rubrik Anmeldung   

Infos: annika.kagermaier@euroexpo.de

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