2017 / 11. Oktober

Torsten Petrick (Schuler AG): Innovation nur durch Verzahnung der Fachbereiche


Auf Schuler-Pressen entstehen Karosseriebleche, Teile für Elektromotoren, Großrohre, aber auch Getränke- und Spraydosen, Nespresso-Kapseln und Rimowa-Koffer. Der Konzern mit Stammsitz Göppingen ist Weltmarktführer in der Umformtechnik. Vice President SCM Torsten Petrick sagt in meinem Interview für das Fachmagazin „Beschaffung aktuell“, welche Chance die Elektromobilität bedeutet und warum er im Einkauf auf psychologische Erkenntnisse bei der Generierung von Wettbewerbsvorteilen für Schuler setzt.

 

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Im Folgenden lesen Sie Auszüge aus dem Magazin „Beschaffung aktuell“ (Ausgabe 10/2017, Seiten 14-17)

 

BA: An welchen organisatorischen Schrauben haben Sie gedreht?

Petrick: (…) Ich habe den Einkauf in drei Bereiche aufgestellt: Neben der operativen Einkaufsfunktion wurde das strategische Beschaffungsmanagement etabliert, in der Category Manager und Lead Buyer an einer globalen und kostengünstigen Supply Chain arbeiten. Sie stellen die horizontale Vernetzung zwischen Schuler und seinem etablierten internationalen Lieferantennetzwerk sicher. Danach wurde das Division Procurement Management erfolgreich eingeführt. Die Division Procurement Manager haben zumeist einen tiefen technischen Background. Sie stellen die vertikale Vernetzung im Unternehmen sicher und arbeiten eng mit den Divisions zusammen, vornehmlich mit Entwicklung und Konstruktion, aber auch mit Produktmanagement, Projektleitung und Vertrieb. Unsere Einkäufer agieren heute an sechs Standorten in Deutschland, an je zwei in China und in den USA und an einem Standort in Brasilien.

BA: Woran machen Sie Agilität des Einkaufs bei Schuler konkret fest? 

Petrick: Ein Beispiel ist der Auftrag von Tesla, der als Ergebnis des visionären Engagements unseres CEO Stefan Klebert gewonnen werden konnte. Denn wir waren frühzeitig in der Lage, Lieferzeiten anzubieten, die um gut ein Drittel kürzer waren als der Wettbewerb. Das schaffen wir durch eine flexible Organisationsstruktur mit straffem Projektmanagement und vor allem durch eine stabile Supply Chain. Agilität ist aber in erster Linie ein Zeichen eines wachen Mindsets. Ergänzend zu Ihrer vorherigen Frage war die Bestärkung der Einkaufsmannschaft zu mehr strategischen Freiheiten, Selbstverantwortung, offener Kommunikation und Fehlertoleranz fester Bestandteil des Entwicklungsplans. Dass wir heute frühzeitig bei der Produktentwicklung eingebunden sind und Innovationen aus dem Markt für unsere eigene Wertschöpfungssteigerung nutzen, ist wesentlich diesem kulturellen Wandel zuzuschreiben.

BA: Es reicht aber nicht aus, nur über sich selbst und das eigene Team nachzudenken. Wie kommt Drive in die gesamte Organisation?

Petrick: Der Umgang mit der Macht von Informationen und die damit verbundene Durchlässigkeit der Organisation im Hinblick auf Wissen wird meines Erachtens entscheidend dafür sein, wie wir uns weiterentwickeln. Wir Führungskräfte sind gefordert, im digitalen Transformationsprozess als Vorbilder voranzugehen. Ich sehe, dass ich bei Schuler mit dieser Ansicht nicht alleine bin. Über lebendige Kommunikation und eine offene direkte Ansprache kommen wir vorwärts.

BA: Ich gehe davon aus, dass Sie diese Aspekte in speziellen Mitarbeitermaßnahmen umsetzen. Was steht dahinter?

Petrick: Wir haben schon vor einiger Zeit sehr erfolgreich mit externer Unterstützung Psychologie und Neurowissenschaft in Teammaßnahmen einfließen lassen. Das kann ich nur empfehlen. In unseren speziellen Einkäufertrainings haben wir die Elemente Organisationslehre, Wirtschaftswissenschaft, Marketing, Kommunikation und PR, Psychologie, Neurowissenschaft und Verhaltensforschung kombiniert. Fokus lag dabei auf kognitiven Fähigkeiten. Also welchen Einfluss haben Wahrnehmung, Erwartungen, Einstellungs- und Handlungsmuster? Das Wissen darum hilft uns Einkäufern heute sehr bei der Kommunikation allgemein, sei es bei Verhandlungen oder in Meetings mit anderen Abteilungen. Ziel war es, Orientierung zu geben und die Problemlösungsfähigkeit der Einkäufer zu erhöhen. Die Ergebnisse waren bemerkenswert. Das Image des Einkaufs wächst stetig, und zwar nicht alleine, weil die Zahlen stimmen.

Auszug Ende

Fotos: Copyright Corinna Spitzbarth

www.beschaffung-aktuell.de

 

 

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